Jetzt sitze ich hier. Ein Theaterkritiker ersten Ranges, einer, der in der Tradition eines Ihering steht. Einer, der beim „Berliner Theatertreffen“ sein sollte und nicht hier in Finkenwerder in der Aueschule. Und alles nur, weil ich mich auf der Weihnachtsfeier etwas danebenbenommen habe… Nun ja, was soll`s.
Nun also eine Theateraufführung von Pädagogen für Grundschüler. Das Stück ist selbst geschrieben und auch sonst sieht das hier eher provisorisch aus. Es handelt sich wohl um einen Krimi mit dem Titel „Alarm im Kinderzimmer- Kommissar Holzkopf ermittelt“ Ich kann es nicht fassen. Wieso ich?
Der Vorhang geht auf…
Das Bühnenbild ist schlicht aber überraschend überzeugend. Nicht überladen, nicht kitschig. Es besticht geradezu durch seine einfache Präsenz. Das Publikum ist von Anfang an elektrisiert. Das Casting hat gute Arbeit geleistet und auch die Handlung nimmt rasant an Fahrt auf.
Die Komplexität der Geschichte ist dem Publikumsalter angemessen und liebevoll mit viel Humor umgesetzt. Nicht selbstverständlich heutzutage. Ist doch allzu oft ein intellektueller Krampf die Folge von Autoren, die in einem Selbstverwirklichungswahn gefangen sind.
Der Spannungsbogen ist nachvollziehbar, schlüssig und lässt keine Wünsche offen. An der Reaktion der kleinen Zuschauer ist ablesbar, dass der Wille zur Interaktion mit dem Publikum fesselnd sein kann und funktioniert. Eine wirkliche Leistung, die nicht zu erwarten war.
Ein fulminantes Ende trifft auf einen brodelnden Saal und verlangt nach mehr. Es ist dem Ensemble zu wünschen, dass noch viele dieser vortrefflich inszenierten Oden an die Heiterkeit folgen mögen.
War doch nicht so schlimm. Wer hätte das gedacht…
So, oder ähnlich hätte ein sich selbstüberschätzender aber in Ungnade gefallener Theaterkritiker die Faschingsaufführung der Aueschule wohl bewertet. Inhaltlich hätte er ins Schwarze getroffen!
Aber, da er frei von mir erfunden ist, könnte es auch meiner Einschätzung entsprechen. Es war einfach schön!!
Carina Oschlies


